Fanblog über die Weine von Ellermann-Spiegel · kein Weingut, kein Shop Wein kaufen: genuss7.de

Pfalz-Wissen

Die Begriffe, die auf dem Etikett stehen — und was sie wirklich heißen

Goldkapsel, Feinhefe, Barrique, trocken. Alles Wörter, die auf Flaschen aus Kleinfischlingen vorkommen und über die man selten eine gerade Antwort bekommt. Hier stehen die geraden Antworten.

Die Südliche Weinstraße

Die Pfalz ist nach Rheinhessen das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands und zieht sich rund 85 Kilometer am Ostrand des Pfälzerwalds entlang. Der südliche Teil, die Südliche Weinstraße zwischen Neustadt und der französischen Grenze, ist die wärmere und ruhigere Hälfte.

Der Pfälzerwald wirkt als Regenschirm: Er fängt die Feuchtigkeit aus dem Westen ab, sodass an seinem Ostrand eine der trockensten und wärmsten Ecken Deutschlands liegt. Feigen und Mandelbäume stehen hier nicht als Deko, sondern weil sie durchkommen.

Warum die Böden mehr entscheiden als das Wetter

Rund um Kleinfischlingen dominieren Löss und Lehm. Beide speichern Wasser gut und geben es langsam wieder ab. In einem heißen, trockenen Sommer ist das der Unterschied zwischen einem Wein mit Substanz und einem Wein, der stehenbleibt.

Für Burgundersorten ist das eine ideale Kombination. Grauburgunder etwa reift mittelspät bis spät, erreicht dabei mühelos hohe Mostgewichte — rund zehn Oechslegrade über Riesling — und stellt hohe Ansprüche an die Wasserversorgung. Tiefgründige Böden mit verlässlichem Wasserhaushalt stehen in jeder Sortenbeschreibung ganz oben.

Riesling wiederum bringt die Säure mit, die die Wärme sonst wegnehmen würde. Deshalb funktioniert in derselben Gemarkung beides: der schlanke, mineralische Riesling und der füllige, gelbfruchtige Grauburgunder.

Die Rebsorten in Kleinfischlingen

Die Burgunderfamilie: drei Farben, eine Sorte

Weißburgunder und Grauburgunder sind natürliche Mutationen des Spätburgunders. Genetisch sind es dieselbe Rebsorte, sie unterscheiden sich zuerst an der Beere: blau beim Spätburgunder, graurot beim Grauburgunder, gelbgrün beim Weißburgunder.

Im Glas ist der Unterschied deutlicher als in der DNA. Grauburgunder bringt Fülle, Würze und gelbe Frucht mit — Birne, Apfel, Quitte, Mandel, manchmal Honig. Weißburgunder bleibt schlanker und feiner: Birne, grüner Apfel, Zitrus, ein Hauch weißer Blüten, getragen von einer frischen, aber moderaten Säure. Genau deshalb gilt er unter Sommeliers als einer der zuverlässigsten Essensbegleiter überhaupt.

SorteSäureKörperTypische Aromen
RieslinghochschlankPfirsich, Grapefruit, Apfel, Mineralik
WeißburgundermittelmittelBirne, grüner Apfel, Zitrus, Mandel
Auxerroisniedrigmittel bis vollgelbe Frucht, Melone, cremige Art
Grauburgunderniedrig bis mittelvollBirne, Mirabelle, Quitte, Marzipan
Chardonnaymittelmittel bis vollApfel, Ananas, Brioche bei Holzanteil
Sauvignon Blanchochschlank bis mittelStachelbeere, Cassis, Holunderblüte, Feuerstein

Auxerrois — der Verwandte, den kaum jemand kennt

Auxerrois blanc ist ein Geschwister des Chardonnay: Beide stammen aus derselben Kreuzung von Pinot und Gouais blanc. In Deutschland steht die Sorte fast immer als stiller Partner in Cuvées, reinsortig findet man sie selten. Sie hat weniger Säure als Weißburgunder und wirkt dadurch runder, fast cremig — was sie zum idealen Cuvée-Partner macht, wenn ein Wein weicher werden soll, ohne süß zu werden.

St. Laurent — der übersehene Pinot-Verwandte

St. Laurent gehört zur Burgunderfamilie und ist der bekannteste Elternteil des österreichischen Zweigelt. Die Sorte liefert Sauerkirsche, dunkle Beeren, weiches Tannin und mittleres Gewicht — also ziemlich genau das, was viele beim Spätburgunder suchen und dort nicht immer finden. Dass sie im Regal selten auffällt, liegt am Namen, nicht am Wein.

Cabernet Dorsa und Regent — deutsche Neuzüchtungen

Cabernet Dorsa entstand in Weinsberg aus Dornfelder und Cabernet Sauvignon. Der Wein hat die dunkle Beerenfrucht des Dornfelders, aber deutlich mehr Struktur und Würze. Regent stammt vom Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof — in der Pfalz — und ist eine pilzwiderstandsfähige Sorte, die im Weinberg mit erheblich weniger Pflanzenschutz auskommt. In Cuvées bringt sie Farbe und dunkle Frucht.

Scheurebe und Muskateller — die Aromatiker

Beide Sorten liefern viel Aroma bei moderatem Alkohol. Scheurebe wurde 1916 von Georg Scheu in Alzey gezüchtet und trägt Cassis, Grapefruit und schwarze Johannisbeerblätter. Muskateller ist eine der ältesten Kulturreben überhaupt und riecht so unverwechselbar nach Muskat, dass man sie blind erkennt. Beide sind die logische Wahl für entalkoholisierte Weine — davon gleich mehr.

Der Kern der Sache

Holz ist eine Dosisfrage, kein Geschmack

Bei säurebetonten Sorten schafft Holz einen Gegenpol. Beim Grauburgunder ist das anders: Die Sorte liegt in der Säure vier bis fünf Gramm unter Riesling und wirkt entsprechend breit. Sie trägt Holz nur, wenn genug Extrakt da ist. Fehlt der, wird der Wein plump — mit Holz erst recht.

Im Keller

Feinhefe: warum ein Wein cremig wird, ohne süß zu sein

Nach der Gärung sinken die Hefezellen zu Boden. Zieht man den Wein sofort ab, ist die Geschichte zu Ende. Lässt man ihn auf dem Depot liegen, zerfallen die Zellen langsam und geben Zellwandbestandteile ab. Das schmeckt man nicht als Aroma, sondern als Textur: mehr Schmelz, ein weicherer Gaumen, mehr Länge. Auf französischen Etiketten heißt das sur lie.

Bei den Gutsweinen aus Kleinfischlingen ist das der Grund, warum ein trockener Weißburgunder mit unter zwei Gramm Restzucker am Gaumen nicht mager wirkt.

Barrique: 225 Liter, und es kommt auf den Zeitpunkt an

Ein Barrique fasst 225 Liter — ein Maß aus Bordeaux. Je kleiner das Fass, desto größer das Verhältnis von Holzoberfläche zu Wein und desto stärker der Einfluss.

Wichtiger als die Größe ist aber der Zeitpunkt. Ein Wein kann im Barrique gären oder darin reifen, und das ist nicht dasselbe:

  • Gärung im Barrique. Die Hefe arbeitet während der Gärung einen großen Teil der Holzaromen ein. Übrig bleibt Struktur statt Geschmack: mehr Breite, ein leichter Griff, längerer Nachhall.
  • Reife im Barrique. Der fertige Wein liegt im Fass. Hier werden Aromen aufgenommen, nicht eingebunden — Vanille, Toast, Röstnoten. Das ist der Ausbau, den man schmeckt.

Bei Ellermann-Spiegel vergären die weißen Goldkapsel-Weine zu rund dreißig Prozent im Barrique und reifen danach im Edelstahl, also genau in dieser Reihenfolge. Deshalb schmeckt keiner von ihnen nach Holz. Bei den Rotweinen ist es umgekehrt: Maischegärung im Edelstahl, Reife im Holz.

Und die Vanille?

Vanillin entsteht beim Toasten der Fassdauben, sein Maximum liegt bei mittlerem Toasting. Wird stärker getoastet, weicht die Vanille Rauch- und Röstnoten. Für deutsche Weine wird deshalb ohnehin überwiegend medium toast verwendet. Die Gleichung „Holz gleich Vanille“ hält sich trotzdem hartnäckig — und ist der Hauptgrund, warum viele Weintrinker Holz bei Weißwein pauschal ablehnen.

Was auf dem Etikett steht

Trocken, halbtrocken, lieblich — die Grenzen

BezeichnungRestzucker je LiterAusnahme bei hoher Säure
trockenbis 4 gbis 9 g, wenn die Säure höchstens 2 g darunter liegt
halbtrockenbis 12 gbis 18 g bei entsprechender Säure
lieblichbis 45 g—
süßüber 45 g—

Der wichtigste Satz dazu: Süße wird immer im Verhältnis zur Säure geschmeckt. Ein trockener Wein mit 8 Gramm Restzucker und wenig Säure kann süßer wirken als ein halbtrockener mit 12 Gramm und viel Säure. Die Zahl allein sagt wenig.

Goldkapsel — der Begriff, der in keinem Gesetz steht

Auf deutschen Weinflaschen ist vieles geregelt: Qualitätsstufe, Anbaugebiet, Alkoholgehalt, Nennfüllmenge, Prüfungsnummer, Abfüller, Sulfithinweis, seit Kurzem auch Zutaten und Nährwerte. Goldkapsel gehört nicht dazu. Der Begriff taucht in keiner Weinverordnung auf.

Er ist eine reine Hauskennzeichnung, und jeder Betrieb legt selbst fest, was er damit meint. An der Mosel, daneben im Rheingau und an der Nahe, hat sich die Kapsel historisch bei edelsüßen Prädikatsweinen eingebürgert: Auslese, Auslese Goldkapsel, Auslese Lange Goldkapsel. Wer dort Goldkapsel liest, erwartet mehr Süße.

In der Pfalz kann sie das genaue Gegenteil bedeuten. Bei Ellermann-Spiegel steht sie für eine trockene Selektion aus den besten Lagen. Wie sich das im Glas anfühlt, haben wir an zwei Grauburgundern durchprobiert.

Entalkoholisiert, alkoholfrei, alkoholarm

Seit der Reform des EU-Weinrechts sind die Begriffe definiert. Entalkoholisiert heißt: dem fertigen Wein wurde der Alkohol wieder entzogen, höchstens 0,5 Prozent vol sind übrig. Teilweise entalkoholisiert liegt darüber, aber unter dem normalen Mindestalkoholgehalt. Der Ausgangspunkt ist in beiden Fällen echter Wein, kein Traubensaft.

Weil beim Entalkoholisieren Aroma verloren geht — Alkohol ist ein Aromaträger —, starten sinnvolle alkoholfreie Weine mit aromatischen Rebsorten. Wer hier mit neutralen Sorten anfängt, landet bei Wasser mit Säure.

Häufige Fragen


Kurz beantwortet

Was bedeutet Goldkapsel bei Wein?

Goldkapsel ist keine gesetzliche Bezeichnung. Der Begriff steht in keiner Weinverordnung, und kein Gesetz legt fest, was ein Wein können muss, um eine goldene Kapsel zu bekommen. Es ist eine reine Hauskennzeichnung, die jeder Betrieb selbst definiert. An der Mosel, an der Nahe und im Rheingau steht sie historisch für edelsüße Prädikatsweine. In der Pfalz kann sie etwas völlig anderes bedeuten: Bei Ellermann-Spiegel in Kleinfischlingen bezeichnet sie eine trockene Selektion aus den besten Lagen.

Was ist der Unterschied zwischen Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder?

Alle drei sind dieselbe Rebsorte. Weißburgunder und Grauburgunder sind natürliche Mutationen des Spätburgunders und unterscheiden sich zuerst an der Beerenfarbe: blau beim Spätburgunder, graurot beim Grauburgunder, gelbgrün beim Weißburgunder. Im Glas bringt Grauburgunder mehr Fülle, Würze und gelbe Frucht mit, Weißburgunder bleibt schlanker und feiner mit Birne, grünem Apfel und Zitrus. Spätburgunder wird als Rotwein ausgebaut.

Was heißt Ausbau auf der Feinhefe?

Nach der Gärung sinken die Hefezellen zu Boden. Lässt man den Wein einige Zeit auf diesem Depot liegen, statt ihn sofort abzuziehen, zerfallen die Zellen langsam und geben Zellwandbestandteile an den Wein ab. Das Ergebnis schmeckt man nicht als Aroma, sondern als Textur: mehr Schmelz, ein weicherer Gaumen, mehr Länge. Auf französischen Etiketten steht dafür sur lie.

Warum schmeckt ein im Barrique vergorener Weißwein nicht nach Holz?

Es macht einen großen Unterschied, ob ein Wein im Barrique gärt oder darin reift. Bei der Gärung im Fass arbeitet die Hefe einen großen Teil der Holzaromen ein, statt sie stehenzulassen. Was bleibt, ist weniger Geschmack als Struktur: mehr Breite am Gaumen, ein leichter Griff, ein längerer Nachhall. Wer bei einem so ausgebauten Wein Vanille und Toast sucht, sucht am falschen Ort.

Wie viel Restzucker darf ein trockener Wein haben?

Trocken bedeutet in der EU höchstens 4 Gramm Restzucker je Liter. Liegt die Säure höchstens 2 Gramm unter dem Restzuckerwert, sind bis zu 9 Gramm erlaubt. Halbtrocken reicht bis 12 Gramm, bei entsprechender Säure bis 18 Gramm. Lieblich geht bis 45 Gramm, darüber heißt es süß. Deshalb kann ein trockener Wein süßer schmecken als ein halbtrockener mit viel Säure.

Was ist ein Schlabberwein?

Schlabberwein ist keine Qualitätsstufe, sondern pfälzischer Sprachgebrauch für einen Wein, den man ohne Anlass und ohne Andacht trinkt. Gemeint ist ein leichter, frischer, unkomplizierter Wein für den Alltag. Als Weinname ist es eine Selbstbeschreibung, die ehrlicher ist als die meisten Etikettenbegriffe.

Wie kalt sollte man Weißwein und Rotwein servieren?

Leichte Weißweine und Rosé kommen bei 8 bis 12 Grad ins Glas, gehaltvollere Weißweine mit Holzanteil bei 10 bis 14 Grad. Leichte Rotweine vertragen 14 bis 18 Grad, kräftige Rotweine 16 bis 18 Grad. Alkoholfreie Schaumgetränke werden mit 6 bis 8 Grad am kältesten serviert. Als Faustregel gilt: Was direkt aus dem Kühlschrank ins Glas kommt, ist für fast jeden Wein zu kalt.

Was bedeutet entalkoholisierter Wein?

Entalkoholisiert heißt im EU-Weinrecht, dass dem fertigen Wein der Alkohol wieder entzogen wurde und höchstens 0,5 Prozent vol übrig sind. Der Ausgangspunkt ist also echter Wein, kein Traubensaft. Weil beim Entalkoholisieren Aroma verloren geht, arbeiten die meisten Betriebe mit aromatischen Rebsorten wie Muskateller oder Scheurebe.

Vom Wissen zu den Weinen