Wer an Pfälzer Weißwein denkt, denkt meist zuerst an Riesling. Dabei wächst zwischen Haardt und Rheinebene eine Rebsorte, die wie kaum eine andere zum modernen Weißweinstil passt: der Weißburgunder. Knapp ein Viertel der weltweiten Produktion stammt aus deutschen Weinbergen, und die Pfalz gehört zu den wichtigsten Anbaugebieten. Trotzdem steht die Sorte im Regal oft im Schatten ihrer bekannteren Verwandten. Völlig zu Unrecht.
Eine Familie, drei Charaktere
Weißburgunder, international als Pinot Blanc oder Pinot Bianco bekannt, ist wie der Grauburgunder eine natürliche Mutation des Spätburgunders. Die drei unterscheiden sich schon an der Beere: blau beim Spätburgunder, graurot beim Grauburgunder, gelbgrün beim Weißburgunder.
Im Glas wird der Unterschied noch deutlicher. Grauburgunder bringt Fülle, Würze und Aromen von Apfel, Mandel und Honig mit. Weißburgunder bleibt schlanker und feiner: Birne, grüner Apfel, Zitrus und ein Hauch weißer Blüten, getragen von einer frischen, aber moderaten Säure. Genau diese Balance macht ihn so zugänglich. Er hat weniger Säure als ein junger Riesling, aber mehr Spannung als viele südländische Alltagsweine. Und anders als mancher holzbetonte Chardonnay drängt er sich am Tisch nie in den Vordergrund. Deshalb gilt er unter Sommeliers als einer der zuverlässigsten Essensbegleiter überhaupt: klassisch zu Spargel, ebenso gut zu Forelle, Meeresfrüchten, Backhendl, Kalb und cremigen Saucen. Serviert wird er idealerweise bei 8 bis 10 Grad.
Zwei Interpretationen aus dem Hause Ellermann-Spiegel
Wie viel Spielraum in dieser Rebsorte steckt, zeigen zwei Weine aus unserem Keller, die denselben Ausgangspunkt haben und doch ganz unterschiedlich schmecken.
Der reinsortige Ellermann-Spiegel Weißburgunder trocken ist die klassische Lesart: temperaturkontrolliert im Edelstahltank vergoren und bis zur Abfüllung auf der Feinhefe gereift. Das Ergebnis duftet nach Birne, Melone und Apfel, dazu ein Hauch Zitrus, Mandeln und weiße Blüten. Am Gaumen mittelgewichtig, feinfruchtig und elegant, mit dem feinen Schmelz, den die Feinhefe mitbringt. Ein Wein, der zeigt, warum Weißburgunder und Pfälzer Küche so gut zusammenpassen.
Die zweite Lesart ist die verspielte: In der Cuvée Tagtraum trifft Weißburgunder auf Auxerrois, einen engen Verwandten aus der Burgunderfamilie. Die Nase wird exotischer: Birne, Litschi, Mango, Orangenzesten, Grapefruit, dazu Mandarine und ein Hauch Mandel- und Rosenblüten. Am Gaumen frisch, saftig und klar, mit feiner Restsüße und dichtem Fruchtspiel. Wer Weißburgunder bisher nur streng trocken kannte, lernt hier seine charmante Seite kennen.
Probieren statt glauben
Am Ende entscheidet wie immer das Glas. Beide Weine gibt es bei unserem Handelspartner genuss7.de, der neben unseren Pfälzer Interpretationen ein breites Weißburgunder-Sortiment von Baden bis Südtirol führt. Der direkte Vergleich lohnt sich: Kaum eine Rebsorte zeigt so deutlich, wie viel Herkunft und Handschrift im selben Traubennamen stecken können.